Reisen, die lange im Gedächtnis bleiben

Jedem Instagram-Motiv hinterher zu eilen, war vor Corona. Nun ist die Zeit für Slow Travel, Begegnungen, echte Erfahrungen und authentische Entdeckungen. So die Überzeugung von Eckart Mandler, Projektleiter von Slow Food Travel. Wie die Pandemie Reisen und den Umgang damit verändert... erläutert der Vordenker im Interview.

Der Tourismus-Pionier und Praktiker aus Kärnten setzt sich seit über 30 Jahren für ein funktionierendes Netzwerk aus lokalen Erzeugern, Gastronomen und Beherbergungsbetrieben ein. Am 10. Februar 2021 wurde Eckart Mandler für sein Engagement für nachhaltigeres, bewussteres Reisen der Columbus-Ehrenpreis der VDRJ verliehen.

Wie wird die Corona-Pandemie das Reisen verändern, Herr Mandler?

Die Nachwirkungen von Corona werden das Reisen langfristig beeinflussen. Es wird mühevoller werden und die Gefahr von neuen Virenmutationen wird weltweit das Reiseverhalten ändern. Reisen wird schon deshalb entschleunigter, weil die Sicherheitsmaßnahmen viel mehr Zeit verlangen und daher eine Reise überall hin einbremsen. (...) Wir werden für das Reisen selber wieder mehr Verantwortung übernehmen müssen und uns über die Reiseziele vorab gut informieren müssen. Nicht jeder Instagram-Hotspot ist dann auch wirklich ein lohnendes Reiseziel.

Welche Bedeutung bekommt „Slow Travel"?

Auch angesichts der auf uns zukommenden Klimakrise werden wir unser Reiseverhalten ändern müssen: der CO²-Fußabdruck beim Verreisen wird an Bedeutung gewinnen. Das heißt aber nicht auf Reisen zu verzichten, aber das Ziel und die Art zu Reisen sollten auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit hin kritisch hinterfragt werden. Ähnlich wie bei Slow Food spielt auch beim Reisen die Konsumation der angebotenen Produkte eine große Rolle und hat Auswirkungen auf das Weltklima.

Was heißt „langsames Reisen" in der Praxis?

In der Coronakrise haben viele Menschen erstmals gelernt, die eigene Umgebung zu erkunden und das meist auch noch zu Fuß. Man hat Orte und Menschen getroffen, die vorher (im Kopf) ganz weit weg waren. Man hat Freizeitaktivitäten ausgeübt, die bisher nur aus den Medien bekannt waren und von anderen Menschen gemacht wurden. Wandern, Radfahren, Langlaufen, Schneeschuhwandern oder einfach nur Bewegen in der näheren räumlichen Umgebung vom Wohnort. (...) Heute und in den nächsten zwei Jahren wird schon Corona-bedingt das Verreisen etwas langsamer vor sich gehen. Länger voraus eine Reise selber organisieren, nicht dorthin reisen, wo viele hinwollen, sondern Ziele finden, die noch unentdeckter sind und mehr Raum zum Entdecken bieten. Das heißt, man lernt die Menschen vor Ort intensiver kennen, tauscht mit ihnen Erfahrungen und Eindrücke aus und spürt, was ein gutes Leben wirklich ist. (...).

Warum lohnt es sich, nach Corona anders zu verreisen?

(...) Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen und die Freiheit des einen endet dort, wo der Andere Freiheit verliert. Slow Travel heißt auch Reisen mit Verantwortung für sich und andere. Wer zukünftig seine Reisen länger im Voraus plant, längere Zeit an einem Ort verweilt und dort mit allen Sinnen sein Reiseziel erkundet, kommt vielleicht mit mehr Erkenntnissen in sein Leben zurück als erwartet. Bewusstes Reisen schafft Zugänge zu Menschen, zu Speisen, zu Künsten und Erlebnissen, die beim Drüberfliegen im Verborgenen bleiben.

Eckhart Mandlers persönliche Erfahrungen und Tipps für Slow Travel:

Um Slow Travel richtg zu (er)leben, rät der Profi zu Reisen zu Fuß. Die seien am intensivsten. Wandern in naturbelassenen Landschaften machen den Kopf frei und stärken ganz natürlich die Fitness und das Immunsystem. Außerdem lerne man eine Landschaft besonders kennen, wenn man deren Geschmack erfährt. Zum Beispiel in den Speckkammern, Käsereien, in Brotbackstuben oder Bauernhöfen der jeweiligen Region – zum Beispiel in Form von Slow Food Travel-Reisen. Und kleine Dörfer abseits der Tourismusströme zu besuchen, anstatt in einem großen Ressort zu wohnen, gebe Slow Travel einen besonderen Wert. Hier sei, so Mandler, „nichts hundertausendmal in Reiseführern beschrieben, sondern jedes Detail muss selber erkundet werden." Und dieses Abenteuer bleibe lange im Gedächtnis.

Das Interview wurde bereitgestellt von der GIRASOLE GmbH. Wir präsentieren Ihnen hier einen Auszug davon. 

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