Wie schafft man den Spagat?

Ist es möglich, ohne Fußabdruck zu reisen? Und stellen wir das Thema Nachhaltigkeit auch bezüglich unseres Urlaubs bereits in den Vordergrund? Was Experten auf dem Bayerischen Tourismustag hinsichtlich zum Umgang mit Ressourcen fordern und planen, lesen Sie hier.

Ist Ihnen Nachhaltigkeit beim Reisen wichtig? Bei einer Umfrage des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) lautete die Antwort bei zwei Dritteln aller Teilnehmer „Ja". Im Bezug auf Urlaub in Bayern waren es sogar drei Viertel. Verglichen mit Erhebungen aus dem Jahr 2018 geht laut Dr. Dirk Schmücker (Leiter Forschung beim NIT) der Trend sogar noch weiter nach oben; Corona habe eine zusätzliche Steigerung des Interesses bewirkt. Leider aber wahr: Laut Erkenntnissen des Experten deckt sich die Einstellung aber NICHT mit dem tatsächlichen Verhalten. Nur sechs Prozent aller Befragten gaben an, dass bei ihrer Reise-Wahl nachhaltige Aspekte den Ausschlag gegeben haben.

Damit sich das Verhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit ändert, kreiste der Bayerische Tourismustag im Oktober 2021 in Nürnberg vor allem um das Thema Nachhaltigkeit. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Hubert Aiwanger, Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, den Tourismus mit 600.000 Beschäftigten in der Branche und einem Bruttoumsatz von 34,2 Milliarden Euro im Jahr 2019 als „Herzenssache" aller Bayern. Unter anderem mit dem neuen Programm „Tourismus in Bayern – fit für die Zukunft" und 30 Millionen Euro würden gezielt Maßnahmen für einen nachhaltigen, smarten, barrierefreien und ökologischen Tourismus gefördert.

Wichtiger denn je: Die Balance der ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen

Die Geschäftsführerin der Bayern Tourismus Marketing GmbH, Barbara Radomski, machte bei der nachfolgenden Podiumsdiskussion klar, dass nachhaltige Tourismusentwicklung eine „ganzheitliche Perspektive" erfordert, die über die Vermarktung nachhaltiger Produkte hinausgehe. Diese bedeute eine „Balance der ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen", die nach der Coronakrise wiederhergestellt werden müsse. „Unser Ziel ist es, die Lebensqualität in den bayerischen Regionen und Orten für Einheimische und Gäste gleichermaßen zu entwickeln und unsere Heimat für zukünftige Generationen zu bewahren", erklärte sie.

Wie sich Regensburg als nachhaltige Destination aufstellt, schilderte Sabine Thiele, Geschäftsführerin Regensburg Tourismus, die ebenfalls Teilnehmerin in der Runde war. Um Gäste zu informieren, wurde die Internetseite www.regensburg-nachhaltig.de eingerichtet. Hier finden Leser Tipps für nachhaltige Aufenthalte und Arrangements, verlinkt zu Anlaufstellen, um den CO²-Ausstoß einer Reise zu kompensieren, oder sich bei einem Stadtbummel an Refill-Stationen Trinkflaschen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen zu lassen. Außerdem können sich auf der Seite Betriebe registrieren, die Nachhaltigkeitskriterien von der Nutzung erneuerbarer Energie bis zu vegetarischer oder veganer Kost erfüllen.

Deutschlands erstes klimapositives Hotel steht in Erlangen

Für Pioniergeist stand bei der Podiumsdiskussion Ben Förtsch. Nach ökologischen Grundsätzen führt er unter dem Motto „Einfach Wohlfühlen und ein gutes Gewissen dabei haben" in dritter Generation das Creativhotel Luise in Erlangen. Als Deutschlands erstes klimapositives Hotel hat es „nachwachsende" Zimmer" aus Materialen, die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip zu 100 Prozent biologisch abbaubar oder recycelbar sind. Die Hälfte des 3.000m² großen Hotelgrundstücks ist Grünfläche. Mit anderen Klimahotels wird ein Aufforstungsprojekt betrieben, um CO² zu kompensieren. Nicht ohne Grund ist Ben Förtsch stolz, „als eines der umweltfreundlichsten Stadthotels Deutschlands zu gelten und als erstes in Bayern ein Ökomanagement aufgebaut zu haben."