Nachhaltikeit unter den Füßen

Birkenfurnier (wie das von nevi) kann besonders gut mit Wasser umgehen;   © nevi Birkenfurnier (wie das von nevi) kann besonders gut mit Wasser umgehen; © nevi

Welche Vorteile hat Birkenrinde in Räumen? Wie spiegelt sich unsere Natursehnsucht inzwischen in der Architektur wider? Kann es überhaupt wirklich nachhaltiges Bauen geben?

Lesen Sie hier ein Gespräch zwischen Prof. Elisabeth Endres (Technische Universität Braunschweig) und Tim Mergelsberg (Founder & CEO des Herstellers nevi) zum Thema "Nature's best: Schnittstellen von Natur und Architektur". Die Fragen stellte Prof Markus Frenzl.

Der Natur wird für das Erstellen von Gebäuden ja eigentlich immer Material entzogen: Kann es vor diesem Hintergrund überhaupt nachhaltiges Bauen geben?

Prof. Elisabeth Endres: Genau genommen, nein. Das Einzige, was nachhaltig wäre, wäre, dass wir nicht bauen, denn beim Bauen entnehmen wir der Natur immer etwas, ohne es zurückzugeben. Aber in den vergangenen Jahren hat zum Glück ein Umdenken stattgefunden und es setzt sich immer mehr durch, dass man beim Bauen auch an den Kreislauf der Wiederverwertung denkt. Behalten wir diesen Kreislauf beim Bauen also immer im Hinterkopf, dann sind wir schon ein gutes Stück weiter.

Seit ein bis zwei Jahrzehnten haben wir vermehrt Sehnsucht nach Natur. Woher kommt die Natursehnsucht und wie spiegelt sie sich in der Architektur wider?

Elisabeth Endres: Das ist richtig. Man spürt, dass ein anderes Verhältnis da ist zum eigenen Leben. Stichwort Work-Life-Balance. Das geht natürlich bis ins Bauwesen hinein und man stellt sich Fragen wie "Wie möchte ich leben?", "Wie kann ich leben?" und "Wie bekomme ich das gesund hin?". Wir haben im Zuge dessen ein bewussteres Sein entwickelt. Vielleicht gab es das aber auch schon in den 70 und 80 Jahren... Wir hinterfragen, wo bestimmte Stoffe herkommen, wie viel Transport sie brauchen, ob ich das, was ich nutze, dem Kreislauf zurückgeben kann und wie es mein Leben begleitet. Die Gesellschaft ganz durchlaufen hat dieses Bewusstsein noch nicht. Aber bei den meisten Architekten ist es bereits angekommen.

Wir brauchen immer etwas, das uns dazu bringt, die Natur in den Fokus zu nehmen (Stichwort Waldbaden). Was muss sich im Hinblick darauf bei der Architektur grundlegend ändern?

Tim Mergelsberg (Founder & CEO nevi): Wir brauchen im Bau den Gedanken der absoluten Kreislauffähigkeit. Man sollte idealerweise in Naturkreisläufen denken und auf den gesamten Impact schauen. Da stellen sich Fragen wie "Wie viel Naturverbauch bringt eigentlich ein Gebäude?", "Was haben wir davon?", "Wie langlebig ist es?", und "Wo müssen wir ansetzen?". Wir müssen die Aufmerksamkeit hier ganz genau auf zwei Ebenen richten: Wie bekommen wir natürliche Materialien wieder zurück in den Bau? Und: Wie können wir diese natürlichen Materialen dazu bringen, schädliche Baustoffe (z.B. Bitumen) zu ersetzen. Birkenrinde ist hier ein tolles Material. Sie wird tatsächlich seit Jahrtausenden beim Bauen angewandt.

Elisabeth Endres: Ich denke, das Bauwesen steht vor einem Paradigmenwechsel, weil es hier ein Muss zu Veränderung gibt. Der Dialog wird immer lauter. Wir sind ganz lange Richtung Effizienz gelaufen und haben irgendwann angefangen, nicht mehr klug zu bilanzieren, sondern nur noch stumpf zu rechnen. Wir rechnen zwar effiziente Kilowattstunden pro Quadratmeter, wollen dann aber pro Kopf auf 20 Quadratmeter mehr leben. Mit dieser Rechnung haben wir nichts erreicht. Wir müssen verstehen, dass sich grundlegende Dinge ändern müssen. Zudem drehen wir oft an den falschen Schrauben. Oben versuchen wir alles mit Holz zu retten und unten wollen wir den Beton emissionstechnisch ausgleichen. Dafür bauen wir dann dickere Holzwände, nur weil das Holz einen negativen Impact bringt. Das bringt nichts! Am besten wäre, wir bauen den Beton gar nicht in die Erde und erschaffen z.B. lieber keine vierstöckigen Tiefgaren. Besser überlegen wir uns, wie wir auch ohne Auto zurechtkommen.

Welche Vorteile hat Birkenrinde in der Architektur?

Tim Mergelsberg: Birkenrinde ist einer der vielen Werkstoffe der Vergangenheit, die unheimlich reiche Eigenschaften mit sich bringen. Die Birkenrinde ist ein gewachsenes und regeneratives Material, was gut mit Wasser, Wind und Wetter umgehen kann. Man kann das daran erkennen, dass ein abgefallener Ast von einer Birke mit der Zeit modert, die Rinde aber bleibt enthalten. Ihre gute Wasserkompatibilität ist essentiell bei der Herstellung unser Birkenfurnier-Böden. Birkenrinde eignet sich hervorragend für Nassräume. Sie hat eine tolle Haptik, ist sehr angenehm, wenn man barfuß darauf läuft, ist pH-neutral, rutschfest und hat antiseptische Eigenschaften. Hier hält kaum ein anderes Material, das in der Natur wächst, mit.

Ist genug Material da, wie gut wächst Birkenrinde nach und wie nachhaltig ist die Gewinnung dieses Rohstoffes?

Tim Mergelsberg: Hier muss man erst einmal sagen: Es gibt keinen Werkstoff, der alle Probleme löst. Auch bei der Gewinnung von Birkenrinde greifen wir in den Naturkreislauf ein, aber sehr dezent. Was die Birkenrinde angeht, so ist sie ein Pioniergewächs. Sie wächst von Brandenburg bis zum japanischen Meer, wächst schnell, natürlich und muss nicht angebaut werden. Die Ernte findet am lebenden Baum statt und der Baum bleibt danach auch stehen. Unsere Platten aus Birkenrinde sind zudem mit Stroh verpresst und kreislauffähig. Sie müssen nicht beschichtet werden, sind einfach zu reinigen und können bei Macken abgeschliffen werden. Birkenrinde ist nicht wie Holz und sie soll es auch nicht ersetzen, da Holz selbst ganz tolle Eigenschaften hat. Es eignet sich aber zum Beispiel nicht so gut für Nassräume wie die Birkenrinde.

Nevi ist der einzige Anbieter für Furniermaterial aus Birkenrinde weltweit.
www.nevi.io